Die Energieversorgung der Industriegesellschaft war über mehr als ein Jahrhundert nach einem klaren Prinzip organisiert: Strom fließt in eine Richtung. Große Kraftwerke, zunächst Kohle, später Kernkraft und Gas, speisten ihre Energie in Hochspannungsnetze ein, die sie über Umspannwerke stufenweise bis zum Endverbraucher leiteten.
Dieses Modell funktionierte jahrzehntelang zuverlässig, doch die Energiewende stellt es grundlegend in Frage. Photovoltaikanlagen auf Hausdächern, Windparks auf dem Land und vor den Küsten, Blockheizkraftwerke in Wohngebäuden und Batteriespeicher in Kellern haben die klassische Rollenverteilung aufgelöst. Heute ist nahezu jeder Netzanschluss potenziell auch eine Einspeisung. Der Strom fließt nicht mehr von oben nach unten, er fließt in alle Richtungen gleichzeitig.
Um diese Realität zu bewältigen, hat sich die Netzplanung und der Netzbetrieb fundamental verändert. Das Stichwort lautet: vermaschtes Netz.
Ein vermaschtes Netz ist ein elektrisches Netz, in dem zwischen zwei beliebigen Knotenpunkten mehr als ein Strompfad existiert. Im Gegensatz zum Strahlennetz, das wie ein Baum von einer Wurzel zu den Blättern verzweigt, und im Gegensatz zum Ringnetz, das einen einzigen geschlossenen Kreis bildet, verfügt das vermaschte Netz über eine Vielzahl von Verbindungen und Querverbindungen. Topologisch betrachtet entsteht ein Graph mit Maschen, geschlossenen Schleifen, die dem Netz seine charakteristischen Eigenschaften verleihen.
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